2019 - Ein schwarzes Jahr für Kleinverlage



Es wird mal wieder Zeit für einen Blogbeitrag!
Diesmal ein kleiner Realitätscheck aus dem Alltag einer Verlegerin, mit Jammern, Motzen, Verzweiflung und ein bisschen Hoffnung.


2019 war bisher kein gutes Jahr für die Verlagswelt in Deutschland. Die Insolvenz des Buchgroßhändlers KNV erschütterte die komplette Literaturwelt. Kurz zur Erklärung, KNV ist ein »Zwischenhändler«, ich, als Verlag, gebe meine Bücher an KNV und die liefern sie an den stationären Buchhandel, Amazon und ähnliches. Gemeinsam mit Libri und Umbreit ist KNV einer der größten Buchgroßhändler in Deutschland. Manche Verlagsgruppen haben sogar ihr komplettes Lager bei KNV.
Den gesamten Verlauf des Insolvenzverfahrens findet ihr HIER

Mittlerweile wurde KNV von der Zeitfracht Gruppe (ein großes deutsches Logistikunternehmen) übernommen. Das ist super, denn der Wegfall des Großhändlers hätte ein massives Loch in die deutsche Verlagswelt gesprengt. Das man nicht so leicht wieder hätte füllen können.

Aber warum erzähle ich das? Ist doch alles gut, KNV ist gerettet! Oder nicht?

Jap, KNV ist gerettet und das ist super! Aber allein in der Zeit von Februar (Bekanntgabe der Insolvenz) bis jetzt (Anfang August) habe ich mitbekommen, dass mindestens vier Verlage im Phantastik-Bereich ihre Türen geschlossen haben. Für manche war KNV nur der berühmte Tropfen, der das Fass zum überlaufen gebracht hat.

Auch bei mir sieht es nicht gerade toll aus, die ComicCon in Suttgart (im Juni 2019) und die Veröffentlichung unserer Anthologie »Aeronautica – Logbuch der Lüfte«, die dort stattfand, war der erste Lichtblick in diesem Jahr. Das komplette 1. Halbjahr war ich nur damit beschäftigt, das Geld für die Autorenhonorare zusammenzukratzen. Die Einnahmen aus dem Weihnachtsgeschäft 2018 hängen bei KNV fest, wegen der Insolvenz. Und neue Bestellungen kommen auch nicht … wegen der Insolvenz! Es ist ein Teufelskreis.

An dieser Stelle möchte ich mich bei meinen großartigen Autor*innen bedanken, die mir in den letzten Monaten sehr geholfen und viel Verständnis entgegengebracht haben. DANKE – ihr seid super!!!

Das Geschäft muss natürlich trotzdem weitergehen. Bücher werden geplant, im Hintergrund laufen Lektorate, die Auswertungen von Anthologien darf nicht vernachlässigt werden (auch wenn ich genau das getan hab), Illustrator*innen arbeiten an neuen Bildern für die Cover. Nebenher werden weitere Messen geplant und im Voraus bezahlt. Schließlich muss ich Bücher machen und zeigen, damit ich Geld verdiene um, Bücher machen und zeigen zu können …

Viel zu oft frag ich mich in letzter Zeit, warum ich das Ganze noch mache und ob es nicht einfacher wäre, den Verlag zu schließen. Schon 2018 lief es nicht so gut, wie in den Vorjahren. Aber das passiert, es gibt immer ein Jahr, in dem es nicht gut läuft. Aber 2019 ist richtig scheiße! (sorry, mir fällt kein besseres Wort ein). Das Schlimme ist, dass es nicht nur mir scheiße geht, sondern auch vielen anderen Kleinverlagen. Wir lassen das nicht immer raus, viele Verleger*innen schweigen lieber (aus den verschiedensten Gründen). Aber man kann davon ausgehen, dass es den meisten nicht besonders gut geht in diesem Jahr.

Verlage (egal ob groß, mittel oder klein) müssen immer sehr genau kalkulieren und alles, was außerhalb der Berechnung liegt kann schon ein Loch in die Kalkulation reißen. Die KNV-Insolvenz ist ein Extrembeispiel, aber sie ist da, aktuell und viele sind davon betroffen. Manche mehr, andere weniger.

Meine Hoffnung für die restlichen paar Monate im Jahr 2019 sind die kommenden Messen. Ich werde mit einem Stand beim BuCon in Dreieich und in der Hauptstadt zur BuchBerlin sein. Beide Messen liefen in den letzten Jahren gut und ich hoffe, das wird auch dieses mal so sein. 2020 geht es dann zum ersten Mal seit Langem wieder auf die Leipziger Buchmesse.
(Warum ich da erst jetzt wieder bin erfahrt ihr HIER)

Aber auch ihr könnt etwas tun! Nicht nur für mich, sondern auch für andere Verlage:
KAUFT BÜCHER!!!
Empfehlt euren Freunden und Verwandten, Bücher zu kaufen!
Bücher sind das ideale Geschenk für alle Gelegenheiten!
Make Books great again!
Make reading cool again!

Tatsächlich ist es egal wo und wie ihr Bücher kauft, ob in der Buchhandlung um die Ecke oder im Internet, ob als Print oder eBook – ALLES HILFT DEM VERLAG! Natürlich ist es am tollsten, wenn Bücher direkt auf Messen oder im Verlagsshop gekauft werden, dann gehen 100% an den Verlag.

So, das war mein Jammern-weil-alles-gerade-doof-ist und ein kleiner Aufruf an euch!
Wenn ich mein Bestes gebe und ihr auch und alle anderen Verlage ebenso, dann schaffen wir das. Vielleicht wird 2019 dann doch nicht so schwarz … sondern ein bisschen dunkelgrau.

Danke

Grit


P.S. Kaum habe ich diesen Beitrag geschrieben, da kommt die LongList des Deutschen Phantastik Preises und bringt zwei Nominierungen mit. Das macht die Gesamtsituation nicht viel besser, aber rettet zumindest den Abend.