Veröffentlichen um jeden Preis!


Wer schreibt, tut dies meist nicht nur für sich allein. Der Wunsch, seine Werke anderen zu zeigen, ja sogar zu veröffentlichen oder mit etwas Glück einen Bestseller zu landen und vom Schreiben zu leben, erblüht rasch. Also ran an die Verlage! Doch das böse Erwachen kommt schnell. Viel zu oft höre ich von Autorinnen und Autoren, die viel Geld, Mühe und natürlich Schreibzeit in ihr Werk investiert haben, aber an die absolut falschen Verlage gerieten. Hier sind ein paar Tipps, worauf Ihr bei der Verlagssuche, dem Vertrag und der Arbeit mit Verlagen achten solltet.



Kürzlich veröffentlichte der Blog Buchstabenmagie DIESEN ARTIKEL über eine Autorin und deren erste Schritte in der Welt der Verlage. Schnell entwickelt sich die Vorfreude auf die Debüt-Veröffentlichung zum Albtraum. Aus schlechtem Kontakt mit der Verlegerin resultierten Unstimmigkeiten und Ärger.
Ich teilte den Artikel auf Facebook und bekam viele schockierte Kommentare. Doch ich selbst bin nicht überrascht, diese und ähnliche Geschichten habe ich in den sechs Jahren als Verlegerin schon zu oft gehört und eine Botschaft schwingt immer wieder mit: Obwohl sich bei den Autoren schon früh ein Gefühl von Unwohlsein breitmacht, treten sie nicht von dem Vertrag zurück.
Sie wollen veröffentlicht werden, um jeden Preis!

Ich habe ein Buch geschrieben und was jetzt?

Verlagssuche ist eine Kunst und sie beginnt mit dem eigenen Manuskript. Der Autor muss herausfinden, was er da geschrieben hat und sich dann auf die Suche nach Verlagen machen, die dieses Genre bedienen.
Oft höre ich von Autoren Sätze wie »Ich wurde schon 20 Mal abgelehnt!« Und darauf kommen die aufmunternden Worte »Mach dir nichts draus, C. S. Lewis wurde über 800 mal abgelehnt und heute kennt jeder Die Chroniken von Narnia!«.
Jap, da ist was dran! Jedoch besitze ich die Superkraft, aus der Sicht der Verleger zu berichten und kann sagen, dass locker 50% aller Manuskripte, die ich je abgelehnt habe, einem Genre zugeteilt waren, das mein Verlag nicht bedient.
Es bringt nichts, einen Krimi an einen Fantasy-Verlag zu schicken, oder einen Liebesroman an einen Horror-Verlag und sich dann zu beschweren, dass man abgelehnt wurde.
Und es kommt noch schlimmer! Nicht jeder Fantasy-Verlag ist gleich! Der Art Skript Phantastik Verlag bedient Dark Fantasy (das mit Vampiren, Dämonen und so Kram), Steampunk (Das mit den Zahnrädern) und Space Opera (Drama im Weltall). Diese Info steht gaaaaanz fett auf der Website, dem Blog usw. trotzdem bekomme ich immer wieder High Fantasy (das mit den Elben, Orks und Drachen) zugesendet. Schaut Euch daher das Verlagsprogramm genau an und prüft, ob Eure Geschichte da hineinpasst.

VORSICHT! Jeder Verlag, der von Euch Geld haben will (egal ob für Druck, Lektorat, Cover etc.) ist ein Druckkostenzuschussverlag (DKZV) oder Pseudoverlag. Diese Verlage machen NICHTS für Euer Buch, sie sind nicht auf Messen oder haben Ambitionen in den Buchhandel zu kommen. Sie finanzieren sich ausschließlich von dem, was die Autoren ihnen geben. Eine Liste dieser Verlage findet Ihr auf der Website von »NEIN zu Druckkostenzuschussverlagen
Ich höre auch immer wieder von Autoren, die sagen »Ist doch okay, dann drucken die das Buch für mich und ich vertreibe es selbst«, dann könnt Ihr auch gleich zu Angeboten für Selfpublisher greifen und müsst einem DKZV kein Geld in den Rachen werfen.

Okay, nun haben wir alle DKZVs von unserer Liste gestrichen, auch alle anderen Verlage, die unser Genre nicht bedienen. Was bleibt, ist eine kleine Auswahl von Verlagen, deren Profil sich mit dem unseres Werkes deckt. Nun wird das Exposé geschrieben.

Manuskript, Exposé, WTF?

Viele Autoren (inklusive mir, bevor ich die Verlagswelt kennengelernt habe), schicken einfach das komplette Manuskript an einen Verlag und hoffen, dass es klappt. FunFact: Es klappt nicht!
Ein Manuskript an einen Verlag zu schicken ist wie, in einer Firma aufzutauchen und zu sagen, dass man ab jetzt hier arbeiten will. Die meisten Firmenchefs werden Euch daraufhin freundlich zur Tür hinauswerfen. Daher schreibt man zuerst eine Bewerbung. Das Exposé ist die Bewerbung Eures Buches an den Verlag.
Und hier kommt die nächste Hürde: Was ist ein Exposé und wie  zum Geier schreib ich eins? Keine Sorge, an der Aufgabe sind schon ganz andere Kaliber gescheitert. Darum gibt es HIER einen Link zum YouTube Kanal der Textehexe Susanne Pavlovic, weil niemand besser erklären kann, was in ein Exposé rein kommt als sie!
Susanne spricht in ihrem Video auch von der Bewerbung bei Literaturagenturen, das ist ebenfalls ein Weg den Autoren gehen können, darauf möchte ich hier aber nicht im speziellen eingehen.
Wir lassen diese Möglichkeit also außen vor und widmen uns weiterhin unserer kleinen Verlagsliste. Gerne möchten wir alle anschreiben und die Mail beginnen wir selbstverständlich NICHT mit »Sehr geehrte Damen und Herren«! Wie in einer Bewerbung üblich, wird auf der Verlagsseite nach dem Inhaber bzw. der Inhaberin des Verlages gesucht. Bitte passt an der Stelle auf, dass Ihr die Person mit dem richtigen Geschlecht ansprecht. Ich bekomme viel zu oft Mails an Herrn Grit Richter … es ist nicht schön!
Die Mails sind raus, ein paar Verlage wurden angeschrieben, jetzt heißt es: Warten! Und das kann dauern. Wie ich oben erwähnte, habe ich, schon vor der Verlagsgründung, geschrieben und meine Werke an Verlage geschickt. Von den meisten kam nichts zurück (klar, weil ungefragt eingereichte Manuskripte sofort in den Mülleimer fliegen), aber einer hat mir geantwortet … drei Jahre nach meiner Einsendung!
Auch bei Kleinverlagen ist mit einer hohen Wartezeit zu rechnen. Denn oft sitzt hier nicht ein komplettes Lekotratsteam, das alles auswertet, sondern eine einzelne Person, die neben vielen anderen Aufgaben auch die Manuskriptdurchsicht übernimmt.

ProTipp: Netzwerken & Kurzgeschichten

In der Zwischenzeit könnt Ihr netzwerken! Nehmt Kontakt zu anderen Autoren auf, tauscht Euch aus, geht auf Messen, schmeißt Euren Namen in die Runde! Besonders empfehlen kann ich Euch das LitCamp in Heidelberg oder das jährliche Branchentreffen des Phantastik Autoren Netzwerks PAN. Beide Events bieten gute Möglichkeiten, die Szene kennen zu lernen und in angenehmer Umgebung Kontakte zu knüpfen. Auch auf großen und kleinen Buchmessen kann man sich die Verlage mal in freier Wildbahn anschauen.

Kurzgeschichten sind immer eine gute Möglichkeit in Verlage reinzuschauen. Das Forum von Autorenwelt bietet eine Sammlung laufender Kurzgeschichten- und Schreibwettbewerbe an, da ist für jeden was dabei.
Diese kleinen Schreibprojekte schulen Euren Stil und verkürzen die Wartezeit, bis sich die Verlage melden. Außerdem tretet ihr in den direkten Vergleich mit anderen Autoren. Nehmt ihr z.B. an 20 Ausschreibungen teil und werdet 20 mal angenommen, ist das ein gutes Zeichen dafür, dass ihr phantastisch seid. Bei 20 Ablehnungen, lohnt es sich, nachzufragen, woran es denn gelegen hat.
Schafft Ihr es, in eine Anthologie aufgenommen zu werden, bekommt Ihr einen guten Einblick in die Arbeit des Verlages. Wie sieht der Vertrag aus, wie wird mit Fragen umgegangen, ist die Arbeit mit dem Lektorat gut, wie sieht das fertige Buch aus und so weiter!
Ein paar interessante Fakten zu Anthologien und welche Autoren damit sogar schon Erfolge feinern konnten findet Ihr unter DIESEM POST.
Habt ihr dann ein gutes Gefühl bei dem Verlag, ist der Einstieg gleich viel leichter. Der Verleger oder die Verlegerin kennen Euch ebenfalls und kann Eure Arbeit einschätzen. Im Idealfall die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Vier Romane aus meinem Verlag stammen von Autor/innen, die vorher an Ausschreibungen teilnahmen.

Ein kleines Ranking für zwischendurch
3 Dinge, die man als Autor vermeiden sollte!

Platz 3
Den Verlag mehrmals anrufen oder Mails schreiben, ob er das Exposé/Manuskript schon gelesen hat.

Platz 2
Dem Verleger auf einer Messe das Exposé/Manuskript an den Kopf werfen mit der Bitte es doch gleich zu lesen (ja so passiert!)

Platz 1
Niemals einen Vertrag unterschreiben, ohne vorher gaaaaanz sicher zu sein, dass man alles verstanden hat!

Und schon sind wir beim Thema Vertragsabschluss! (Die Königin der Überleitungen hat gesprochen!).

Unterschreiben: Ja oder Nein?

Verträge sind immer eine knifflige Angelegenheit, Verlagsverträge machen da keine Ausnahme. Grundsätzlich gilt: Fragt so lange nach, bis ihr alles kapiert habt! Wenn der Verleger oder die Verlegerin Euch keine Antworten geben kann oder will, dann ist es vielleicht nicht der richtige Verlag für Euch. Genau an dem Punkt müsst Ihr Euch sicher sein! Wollt Ihr wirklich um jeden Preis veröffentlicht werden, egal wo, egal unter welchen Umständen? Oder überwiegen die Unsicherheiten? Habt keine Angst davor, von einem Vertrag zurückzutreten. Wenn Ihr schon am Anfang Zweifel habt, ist das selten ein gutes Zeichen. Die Chemie zwischen Verleger/in und Autor/in muss stimmen, gerade weil man sich meist nur über Telefon, Mails oder Skype unterhält und es viel zu selten zum direkten Kontakt kommt (außer auf Messen).
Der Drang schnell einen Vertrag zu unterschreiben, damit die Geschichte ein Zuhause bekommt und man selbst bald das große Geld macht, ist stark! Endlich hat man es geschafft, endlich ist ein Vertrag da, den kann man doch nicht einfach ablehnen! DOCH KANN MAN! Lernt aus den Fehlern der anderen Autor/innen, nehmt nicht blindlings alles an. Wartet lieber, ob Ihr noch ein weiteres Angebot bekommt, mit dem Ihr Euch besser fühlt.

Eigentlich müsste ich an dieser Stelle auf Einzelheiten eines Verlagsvertrages eingehen, aber der Beitrag ist ohnehin schon ziemlich lang. Ich werde so etwas in der Art aber sicher noch machen und Euch dann hier verlinken.

Unterschrieben und jetzt?

Der Vertrag ist unterschrieben und das Manuskript wird bearbeitet. Im Zuge von Lektorat, Korrektorat, Satz, Covergestaltung, Werbung und Veröffentlichung passieren viele Dinge. Einige davon werden sich Euch als Debütautor (und vielleicht auch später) nicht erschließen. Auch hier gilt: FRAGEN! Nehmt nicht alles hin, fragt nach, warum der Verlag das so macht, wie er es macht. Die meisten Thematiken klären sich dann auf. Jeder hat sein eigenes kleines Erfolgsrezept und arbeitet nach einem Schema, das sich bewährt hat. Oft ergibt dieses aber nur Sinn, wenn man nachfragt.

Zum Abschluss

Ich hoffe, dieser kleine Einblick in die Welt der Verlage hilft Euch bei der Suche nach dem passenden Partner für Euer Manuskript. Informiert Euch und unterschreibt nicht blind jeden Vertrag.

Viel Spaß beim Schreiben

Eure Grit