Neu ab 2017 // Archibald Leach

Markus Cremer ist eigentlich schon ein alter Hase in der Literaturwelt. Er schreibt seit Kindertagen. Doch lest selbst, was der Autor zu seinem Werdegang zu sagen hat, wie alles begann: 

"Ich denke, in der Grundschule hat alles angefangen. Zumindest was das Schreiben angeht. Das Lesen auch, wobei wahrscheinlich nicht in dieser Reihenfolge. Mein erstes Buch, welches ich bewusst in der Klassenbibliothek auslieh, war »Wickie und die starken Männer«. Die Erkenntnis, dass lesen bildet, traf mich dabei wie ein Schlag. Erst mit dieser Lektüre merkte ich, dass Wickie ein Junge war. Dieses Detail war mir bei der TV-Serie entfallen.

Danach ging es mit dem Schreiben munter weiter. Es folgten Geschichten über Weltraumhelden, unbeholfene Versuche und selbstgeschriebene Szenarien/Abenteuer für Rollenspiele."


Doch erst 2017 wird sein Wunsch von einem eigenen Roman Wirklichkeit. Nach 8 Kurzgeschichten und einem Vorwort im Roman "Erasmus Emmerich und die Maskerade der Madame Mallarmé" mit seinem Duo, dem exzentrischen Abenteurer Archibald Leach und der waffenvernarrten Mechanikerin Sarah Goldberg geht es nun in das erste große Abenteuer.

"In den letzten fünf Jahren wollte ich wissen, ob meine Geschichten auch Leser finden könnten, deshalb nahm ich an Kurzgeschichten-Wettbewerben und Ausschreibungen teil. Ich startete ohne Kontakte, ohne einzufordernde Gefallen und auch ohne Ahnung. Es funktionierte trotzdem. Immer wieder. Zu einem Fantasy-Tabletop-Regelwerk habe ich die Hintergrundgeschichte und einige Szenarien entwickelt. Bisher sind über fünfzig Kurzgeschichten in den Genres Steampunk, Fantasy, Science Fiction, Thriller und Kurioses bei diversen Verlagen veröffentlicht worden."

Doch wie kam der Autor - der früher einen Laden für Okkultes geführt hat und daher genau weiß, gegen welche Flüche seine Protagonisten ankämpfen müssen - auf die Idee, einen glatzköpfigen englischen Abenteurer und eine mutige jüdische Tüftlerin zusammen in eine Steampunk-Welt zu werfen und sie magisch begabten Gegnern gegenüber zustellen?

"Im Jahr 2012 lobte der noch junge Art Skript Phantastik Verlag einen Wettbewerb mit dem Titel »Steampunk 1851« aus. Das Titelbild sah bereits phantastisch aus und so machte ich mich an die Planung.

Informationen darüber, was Steampunk eigentlich ist, hatte ich schnell heruntergeladen und ausgedruckt. Rasch kam ich dahinter, dass ich einige Hintergrundinfos über Steampunk bereits hatte, ohne dies jemals mit diesem Genre in Verbindung gebracht zu haben. Die Geschichten von Michael Moorcock, »Anno Dracula« von Kim Newman und Erinnerungen an die 70er Trickserie »Doktor Snuggles« im Gedächtnis, machte ich mich ans Werk. Da ich selbst keine Ahnung von Steampunk-Technik hatte und da alle recherchierten Helden ausgesprochene Techniker/innen zu sein schienen, entschied ich, dass Archibald Leach eine Abneigung gegen Dampfkraft haben sollte. Ein Mann, der eher auf Geister und deren Ätherkraft vertraut, als auf ein technisches Gerät. Um einen Kontrast zu dieser Figur zu erhalten, erschuf ich die Tüftlerin Sarah Goldberg, die in ihn verliebt ist, seine kritische Haltung aber (natürlich) nicht teilt.

Beim verregneten Urlaub auf Mallorca entstand die Idee für eine Story mit dem Fokus auf der Weltausstellung in London im Jahre 1851. Das Konzept umfasst mehrere Seiten mit Charaktersteckbriefen, wirren Bleistiftkritzeleien und Anmerkungen in winziger Schrift.

Mit einer hochschwangeren Frau und einer Menge Vorbereitungen auf den neuen »Mitbewohner« geriet der Zeitplan etwas aus dem Ruder. Die Story »Archibald Leach und die Rache des Toten« entstand unter Zeitdruck und die finale Fassung erfolgte am Tag des Einsendeschlusses, dem 28.02.2013. Abgeschickt wurde die Geschichte um kurz vor Mitternacht. Selten, dass ich derart spät dran bin. Knapp, extrem knapp.

In der Geschichte „Archibald Leach und die Rache des Toten“ verhilft der Exzentriker und Technikhasser  Archibald Leach, zusammen mit seiner in ihn verliebten jüdischen Assistentin Sarah Goldberg, während der Weltausstellung 1851 in London einem Untoten zur Rache an seinem Schöpfer. Diese Kurzgeschichte hat einen Umfang von etwa 3.400."

Übrigens, bis ich diese Zeilen gelesen hatte, wusste ich nicht, dass meine damalige Anthologie-Ausschreibung maßgeblich Ideengebend für Archibald Leach und Sahra Goldberg war. Das freut und ehrt mich gleichermaßen. 

"Schließlich schaffte es Archibald Leach unter die acht Siegergeschichten der Anthologie. Die Künstlerin Ina Reimer, die das Titelbild der Steampunk-Anthologie gezeichnet hat, zeigt auf ihrer Webseite noch andere interessante Zeichnungen. Ein Besuch lohnt sich.

Das Erscheinungsdatum der Anthologie geht im Trubel der Geburtsvorbereitung etwas unter. Wer jemals einen derartigen Vorbereitungskurs besucht hat, kann nachempfinden, welche besonderen Fallstricke dort auf einen unbescholtenen Bürger lauern."

Wir sind nun voll im Bilde über die ersten Schritte des Autors, seiner Idee zu Archibald Leach und seinem Stresspegel während der ersten Steampunk-Ausschreibung. Aber wie kam es denn nun zu einem kompletten Roman?

Erste Cover-Skizze von Autor Markus Cremer

"Nach insgesamt acht veröffentlichten Geschichten über Archibald Leach kam immer öfter die Frage nach einem Roman über den kauzigen Helden. Bei der offiziellen Anfrage durch den Art Skript Phantastik Verlag hatte ich bereits die ersten hundert Seiten geschrieben. Ein Vertrag wurde aufgesetzt und unterschrieben, was einen enormen Rückenwind für den kreativen Prozess bedeutete. Die Rohfassung des Romans entstand zwischen März 2014 bis Oktober 2015. Beim Schreiben liefen übrigens (neben vielen anderen Dingen) ständig die Soundtracks von Lawrence von Arabien, Der Pate, Piraten der Karibik, Robin Hood (die Version von 1938 mit Basil Rathbone als John), Nightmare before Christmas, Lord of the Rings, King Kong (die Version von Peter Jackson), Der Geist und die Dunkelheit (1996), Conan der Barbar, Beasts of the Southern Wild, Der 13. Krieger, Wolfman (2010), Des Königs Admiral (mit Gregory Peck von 1951) und Quigley der Australier (mit Tom Selleck und Alan Rickman, 1990).

Das Verfassen der ersten Fassung wäre sich schneller vonstattengegangen, hätte ich nicht noch zahlreiche Anthologie-Projekte übernommen, Lesungen veranstaltet und einen Einjährigen zur Aufzucht im Haus.

Rasch stellte sich heraus, dass 75.000 Wörter zu knapp waren. Auch 95.000 Wörter erwiesen sich als nicht genug. Die Fassung, welche ins Lektorat ging, hatte einen Umfang mit 115.000 Wörtern. Die Überarbeitung war umfangreich und ebenso endete dann auch die finale Story mit 145.000 Wörtern. Zwischendurch musste die Verlegerin ins Sauerstoffzelt, aber mit hohen Dosen Baldrian konnte das Schlimmste verhindert werden."

Und dabei bringt mich so schnell nichts aus der Ruhe, doch so viele Wörter hätte ich dann doch nicht erwartet. Aber was erwarte ich auch, immerhin hab ich Markus ja ständig gesagt "Ja ja, schreib nur, kein Problem, wenn es etwas mehr Wörter werden". Auf der anderen Seite bin ich auch sehr froh, nach "Unruh - Das Ticken des Uhrwerks" einen weiteren schönen, dicken Wälzer im Verlagsprogramm zu haben. Mit fast 600 Seiten ist "Archibald Leach und die Monströsitäten des Marquis de Mortemarte" auch ein richtig guter Einstieg für einen Debüt-Roman. 

Zum Schluss noch ein Fun Fact: Markus Cremer und Katharina Fiona Bode lernten sich zu einer Lesung in einem Friseursalon in Frankfurt kennen. Es war literarische Liebe auf den ersten Blick und schnell wurde klar, dass Katharinas Ermittler Erasmus Emmerich und Markus' Abenteurer Archibald Leach im gleichen Universum gegen das Böse kämpfen! So kam es, dass Archibald Leach das Vorwort zu "Erasmus Emmerich und die Maskerade der Madame Mallarmé" verfasste und Erasmus ihm nun diesen Gefallen erwidert. Ob die beiden vielleicht bald einen Fall gemeinsam lösen werden?

Wer jetzt Lust hat das erste Abenteuer von Archibald Leach und Sarah Goldberg zu lesen, der kann sich sein Exemplar überall dort holen, wo es gute Bücher und eBookg gibt. 

Viel Spaß beim lesen ^^