Die ersten Absätze aus "Steampunk 1851"

Das Verlagsprogramm 2013 liegt in den letzten Zügen und geht bald an die Druckerei raus. Grund genug Euch noch ein bisschen anzuheizen! Hier sind, als kleine Leseprobe, die ersten Absätze der Kurzgeschichten aus der Anthologie "Steampunk 1851"!

Viel Spaß beim reinlesen ^^

Steampunk 1851
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Das Ende der Fiktion // Denise Mildes
Der Geruch des Todes, das süßlich-faulige Aroma des Unvermeidlichen, hing im Schlafzimmer. Ihr Atem ging flach, ihre Augenlider flatterten der ewigen Dunkelheit entgegen. Sein Blick streifte den Nachttisch: Ein Fläschchen, gefüllt mit etwas Gräulichem, beschwerte bekritzelte Seiten, daneben lag ihre gesprungene Brille. Er beugte sich herab und hauchte ihren Namen. Beim Klang seiner Stimme erstarrten ihre bebenden Lider.  

Monsieur Foucault und das Wesen des Lichts // Sabine Frambach
Nabot hockte auf dem Holzfußboden, spielte an seinen hornigen Zehen und wartete. Monsieur Foucault war vertieft. Er murmelte, während er eine Skizze zeichnete. Immer wieder verrückte er die Kerze, um das Papier besser zu beleuchten. Seit Stunden hatte Nabot keinen Auftrag mehr bekommen. Er gähnte, wischte sich über die gelblichen Augen und reckte die Arme. Wieder betrachtete er seine Zehen, doch solange er auch starrte, sie wurden nicht interessanter. Nabot seufzte. Und auch Monsieur Foucault atmete einen Stoß verbrauchter Luft aus, zerknüllte das Papier und warf es auf den Boden.
 

Lykonium // Marco Ansing
Wundermittel löst Energieproblem
Ein Artikel von Johann Alexander Krieger, Reporter des Hamburger Hansebotens

London – »Lykonium ist das Mittel der Zukunft. Ein Liter lässt Züge hunderte Kilometer reisen, mit fünf Litern können Schiffe den Atlantik überqueren und denken Sie an die Möglichkeiten für Flugmaschinen!«, berichtete Professor Dr. Gaston Dutreil von der Pariser Universität Sorbonne, Inhaber des Lehrstuhls für Angewandte Physik und Technik, am 7. Mai 1851.  

Das Meisterwerk // Andrea Bienek
»Guten Abend, werte Herren. Entschuldigen Sie bitte die Störung. Gehören Sie zum russischen Gendarmerie-Spezialkorps?«
Vasilii Kosloff fragte sich, ob der Mann die Masern hatte. Rote Flecken verteilten sich im pockennarbigen Gesicht und die Haltung deutete auf einen geschwächten Allgemeinzustand hin. Hier war ein Arzt vonnöten und kein Gendarm! Vorsichtshalber rutschte er ein paar Zentimeter von dem Uniformierten weg, während er sich eine Antwort überlegte.
 

R.S.O.C. // Hendrik Lambertus
Die Abendsonne spiegelte sich rot in den 352 Panorama-Fenstern der Crystal Palace. Die gewaltige Kraft von vier 120 Fuß langen Rotoren trieb das Luftschiff hoheitsvoll über den Dächern von London dahin. Seine sieben Decks waren zusammen höher als der Palace of Westminster. Allein das elektrische Licht in allen Räumen verbrauchte stündlich etwa so viel Energie wie drei der riesigen Maschinenfabriken von Manchester.  

Archibald Leach und die Rache des Toten // Markus Cremer
Es war wieder einer dieser Tage, an denen ich Archibald Leach am liebsten mit Vergnügen erwürgt hätte. Aber der Reihe nach. Mein Name ist Sarah Goldberg und ich arbeitete damals bereits seit einigen Jahren mit Archibald zusammen. Gerne würde ich schreiben, dass seine besondere Auffassungsgabe mich bezauberte, doch dies war nicht der Fall. Mehr noch als seine Klugheit und animalische Ausstrahlung faszinierte mich seine außerordentliche Kühnheit. Wenngleich ich nicht sicher bin, ob Kühnheit die richtige Bezeichnung ist. Angstfrei trifft es besser. Ein interessantes Talent, allerdings brachte dieser glatzköpfige Schmock mich damit entweder in Gefahr oder zur Raserei.  

Tote Kaninchen // Luzia Pfyl
»Ah, New York, New York! Endlich sind wir da!«
»Ja, ich kann die Stadt schon von hier riechen.«
Sophie verschränkte die Arme und verzog den Mund. »Jetzt sei nicht so brummig, Lena. New York ist eine große Stadt und du hast eben eine feine Nase.«
 

Der Automat // Fabian Dombrowski
Schnee wehte in das ausgebrannte Zimmer an der Avenue Gambetta. Kurz legte er sich auf die schweigende Staubdecke, auf die Glasscherben, Holzsplitter und Möbeltrümmer. Doch beim nächsten Windstoß wirbelten die weißen Flocken zusammen mit dem Dreck wieder auf. Schwach, aber bestimmt kämpfte sich durch das harsche Wetter die Mittagssonne. Blitzend spiegelte sie sich auf dem menschenähnlichen Bronzekörper des Automaten. Starr, ohne jede Regung, stand er inmitten der Zerstörung, die ein Kanonengeschoss während der Aufstände vor wenigen Jahren angerichtet hatte. 

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